Mensch+KI: Was Führung jetzt wirklich wissen muss
Tektonik im Arbeitsmarkt: KI verschiebt Rollen, Kompetenzen und Führungsbilder. Wie Du als LeaderIn die Zukunft aktiv gestaltest, statt nur getrieben zu sein.
Die Arbeitswelt erlebt gerade tektonische Verschiebungen. Der Begriff kommt aus der Geologie. Wenn sich Erdplatten verschieben, verändern sie Landschaften für immer. Übertragen auf die Arbeitswelt heißt das, fundamentale, unumkehrbare Veränderungen, keine kurzfristigen Trends, sondern tiefgreifende Umbrüche.
KI-Agenten automatisieren Wissensarbeit, Unternehmen bauen Rollen um, Junior-Positionen verschwinden und Führung verändert sich grundlegend. Gleichzeitig entsteht Nachfrage nach neuen Kompetenzen, für die Mensch-KI-Kollaboration und nach NEWLeadership, das Vertrauen schafft und Orientierung gibt. Studien zeigen: Bis 2030 könnten in Europa und den USA bis zu 30 % der Arbeitsstunden automatisiert werden (McKinsey). Der Stanford Digital Economy Lab weist nach, dass gerade Berufseinsteigende in KI-exponierten Bereichen wie Softwareentwicklung und Customer Service betroffen sind. Microsoft wiederum zeigt im Work Trend Index 2025, dass Führungskräfte neue Rollen für das Management von KI-Agenten aufbauen.
Doch bei aller Dynamik gilt: „KI ersetzt Menschen“ greift zu kurz. Faktisch geht es um Produktivitätsgewinne, verschobene Aufgaben, Rollen-Redesign und vor allem um einen massiven Skill-Shift.
Realitäts-Check und Schlagzeilen
Microsoft kommuniziert Einsparungen von über 500 Mio. $ durch KI bei gleichzeitigen Entlassungen. Amazon verkündet Effizienzgewinne und über 1.000 GenAI-Projekte. McKinsey setzt tausende KI-Agenten ein, hat aber Stellen reduziert, vor allem über Attrition (frei werdende Stellen werden nicht nachbesetzt). SAP transformiert mit dem Schwerpunkt Reskilling. Und auch bei Bosch, Commerzbank oder Schaeffler ist KI ein Treiber unter mehreren, neben der Digitalisierung, Markt- und Energiewende.
KI führt nicht automatisch zu Massenentlassungen. Vielmehr geht es um die Neuverteilung von Arbeit, neue Rollen und die Frage, wie können Mensch+KI-Teams erfolgreich gestaltet werden.
Was bleibt menschlich und wird wertvoller?
Bei aller Automatisierung gibt es Bereiche, in denen Menschen unersetzlich bleiben und genau dort steigt der Wert menschlicher Fähigkeiten:
- Urteil & Kontext
KI liefert Daten und Vorschläge. Doch die Entscheidung in Grauzonen, das Abwägen von Ambiguitäten und das Setzen von Prioritäten in komplexen Situationen bleibt zutiefst menschlich. LeaderInnen sind gefordert, klare Orientierung zu geben. - Beziehung & Vertrauen
Technologie kann Prozesse beschleunigen, aber keine echte Verbindung schaffen. Psychologische Sicherheit, Vertrauen im Team und das Erleben von Sinn sind menschliche Kernaufgaben von Führung. Ohne diese emotionale Basis verpuffen technische Effizienzgewinne. - Ethik & Verantwortung
Wenn Normen in Konflikt geraten, braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen. Wer trägt die Konsequenzen einer riskanten Entscheidung? Wer steht ein, wenn KI-Entscheidungen falsch oder unfair sind? Hier zeigt sich echte Leadership-Haltung. - Kreative Synthese
KI kann Informationen kombinieren, doch die kreative Integration unterschiedlicher Perspektiven und das Entwerfen völlig neuer Ideen entsteht im Zusammenspiel mit menschlicher Intuition, Erfahrung und Vorstellungskraft. - Mensch-KI-Kollaboration gestalten
LeaderInnen designen die Übergänge. Welche Aufgaben übernimmt KI, welche bleiben beim Menschen und wie sichern wir Qualität? Es geht darum, Prozesse zu orchestrieren und dafür zu sorgen, dass die Technologie Menschen stärkt, nicht ersetzt. - Lernen & Reflexion
In einer Welt, die sich rasant verändert, zählt die Fähigkeit, innezuhalten, zu reflektieren und Prinzipien zu aktualisieren. Lernen bedeutet nicht nur Wissen aufzunehmen, sondern es zu übertragen, neu zu bewerten und in die Praxis zu bringen.
Dein Fahrplan für NEWLeadership
- AI-Fluency entwickeln
Mach Dich mit KI vertraut. Verstehe, wofür sie gut ist und wo die Grenzen liegen. Nutze kleine Experimente im Alltag. Lass Dir z. B. erste Entwürfe für Präsentationen oder Mails erstellen und überprüfe kritisch die Qualität. So baust Du Schritt für Schritt Vertrauen und Kompetenz im Umgang mit KI auf. - Mensch-KI-Zusammenarbeit gestalten
Zerlege Aufgaben in Teilstücke. Was übernimmt die KI? Wo braucht es Dein Team? Definiere klare Prinzipien und Regeln, damit KI-Ergebnisse transparent und sicher bleiben. Ein Beispiel: KI schreibt Meeting-Notizen, Du und Dein Team prüfen und ergänzen die entscheidenden Nuancen. - Outcome-Leadership leben
Richte Deine Führung konsequent auf Ergebnisse aus und nicht auf Aktivität. Statt zu fragen „Wie viele Stunden habt ihr investiert?“ Stelle die Frage „Welches Ergebnis haben wir erzielt?“ und überlege "Welche Kennzahlen zeigen wirklich Wirkung für die Kunden, das Team und die Organisation?" - Fördere aktiv Reskilling
Ermögliche Lernen „on the job“. Statt lange Workshops zu planen, setze auf kurze Lernimpulse im Alltag. Ein 15-Minuten-Video, ein Prompt-Training oder eine Peer-Session im Team. Studien zeigen, dass bis 2027 60 % der Beschäftigten neue Kompetenzen brauchen. - Mit kleinen KI-Projekten in den Teams Kompetenzen aufbauen
Sammelt gemeinsam Themen für die KI-Projekte, z. B. Kundenevent, Weihnachtsfeier, Sommerfest, Integration neuer MitarbeiterInnen, Tools für eine effiziente Zusammenarbeit, etc. - Human Skills stärken
Gerade weil KI viele Routinen übernimmt, sind die menschlichen Fähigkeiten entscheidend. Klar kommunizieren, klug verhandeln, empathisches Sparring. Baue bewusst Zeit in den Kalender ein, um Gespräche zu führen, Konflikte zu klären und Vertrauen zu festigen.
So führst Du zukunftsfähig, weil Du Mensch+KI-Prozesse aktiv gestaltest. Gewinnst Freiraum, indem Routinetätigkeiten intelligent automatisierst sind. Stärkst Vertrauen und Bindung, weil Du Sinn und Sicherheit vermittelst. Und positionierst Dich als LeaderIn, der/die Orientierung im Dschungel der Transformation gibt.
Integration in den Alltag
- Starte jede Woche mit der Frage: Welche Aufgaben kann KI übernehmen und welche brauchen meine ganze Aufmerksamkeit?
- Etabliere in den Meetings kurze „AI+Human-Retros“: Wo hat uns KI geholfen? Wo brauchen wir mehr menschliche Klarheit?
- Plane bewusst Lernzeiten für Dein Team ein: Mini-Trainings zu Datenkompetenz, Prompting und Ethik.
- Hole Feedback ein: Wie erleben meine KollegInnen die Zusammenarbeit mit KI?
Und jetzt bist Du dran
Reflektiere, in welchem Bereich willst Du als Erstes bewusst Mensch+KI-Führung gestalten? Starte mit einem kleinen Experiment und entwickle daraus Dein Leadership-Upgrade.
Herzliche Grüße
Katrin